”Wenn Düsseldorf nach Süden ruft”
- Es war Mitte der 80er Jahre, als ich mal wieder von Düsseldorf in Richtung Spanien unterwegs war.
- Ich hatte morgens auf dem Großmarkt geladen, die Paletten sauber verstaut, die Kühlaggregate überprüft und spürte schon dieses vertraute Kribbeln, das nur eine lange Fahrt in den Süden auslösen konnte.
- Bevor ich endgültig loszog, fuhr ich noch einmal kurz nach Hause.
”Ein letzter Blick in die vertraute Straße, ein Gedanke an meine Frau und meinen kleinen Sohn – dann drehte ich den Zündschlüssel, der Motor meines 40-Tonners brummte tief und kraftvoll, und ich rollte auf die A3”
- Mein Name ist Jakob Diener, ich bin Berufskraftfahrer und Kraftverkehrsmeister.
- Aber heute auch freiberuflicher Redakteur und Journalist.
- Vorbei an Bonn, weiter in Richtung Frankfurt am Main, das Steuer fest in den Händen, das Herz irgendwo zwischen Fernweh und Heimweh gefangen.
“Über Frankfurt und Rastatt bis ins Elsass”
- Hinter Frankfurt nahm ich Kurs gen Süden, immer weiter auf der A5, vorbei an endlosen Kilometern Asphalt und Raststätten, bis in die Nähe von Rastatt.
- Der Verkehr floss zäh in der Sommerhitze, die Luft flimmerte über dem Asphalt.
- Von dort ging es weiter in Richtung Mülhausen im Elsass, über die Grenze nach Frankreich, hinein in eine andere Welt.
”Ich bog ab in Richtung Besançon, weiter nach Bourg-en-Bresse, dann nach Lyon”
- Von Lyon führte mich die Autoroute du Soleil, die A7, südwärts über Orange, Nîmes, Montpellier bis nach Perpignan.
- Schließlich schraubte sich die Straße hinauf zum Grenzübergang La Jonquera.
- Die gesamte Strecke betrug rund 1.550 Kilometer.
”Mit einem voll beladenen 40-Tonnen-Lkw lag meine Durchschnittsgeschwindigkeit realistisch bei etwa 70 km/h”
- Reine Fahrzeit also knapp 22 Stunden.
”Doch alle vier Stunden musste ich 45 Minuten Pause einlegen, nach acht Stunden eine Ruhezeit von zehn Stunden”
- So kam ich mit Pausen und gesetzlicher Ruhezeit auf etwa 30 bis 32 Stunden Gesamtzeit, bis ich La Jonquera erreichte.
“Ankunft in La Jonquera – Kontrolle und Gewohnheit”

- In La Jonquera stellte ich den Lkw ab, kontrollierte gewissenhaft die Kühlung, prüfte die Ladung und verriegelte den Kühler mit einem schweren Vorhängeschloss.

- Diese Routine war heilig.
- Erst wenn alles stimmte, konnte ich abschalten.
- Und dann zog es mich wie immer in dieses kleine, unscheinbare Restaurant, wo sich Fahrerinnen und Fahrer aus ganz Europa trafen.
“Zwischen Bar, Küche und einer süßen Versuchung”
- Wir saßen an der Bar, beobachteten das geschäftige Treiben hinter der Theke.

”Dort war sie wieder – die junge Spanierin mit ihrer unglaublichen Figur, ein Lächeln wie ein Sonnenaufgang über dem Mittelmeer”
- Von meinem Platz aus konnte ich auch ihre Großmutter in der Küche sehen.
- Über 80 Jahre alt und doch wirbelte sie durch den Raum, als wäre sie halb so alt.

- Der Duft von Knoblauch, Paprika und langsam schmorenden Fleisch lag in der Luft.
”Ich bestellte diesmal eine große Portion Pansen vom Rind”
- Pansen ist der gereinigte und vorgekochte Vormagen des Rindes, ein Teil der sogenannten Innereien.
- Das Rind besitzt vier Mägen – Pansen (Rumen), Netzmagen (Reticulum), Blättermagen (Omasum) und Labmagen (Abomasum).
”Für Gerichte wird meist Pansen verwendet”
- Er ist eiweißreich, fettarm und enthält wertvolle Mineralstoffe wie Eisen und Zink.
- In vielen Ländern – ob in Spanien, Frankreich oder Deutschland – gilt er als traditionelle Spezialität.
“Das Geheimnis eines herzhaften Pansens”
- Die Großmutter wusste genau, wie ich meinen Pansen liebte.
- Zunächst wird der bereits gereinigte Pansen in Streifen geschnitten und nochmals etwa 2 bis 3 Stunden sanft gekocht, bis er weich ist.
”In einem großen Topf schwitzt man Zwiebeln und Knoblauch in Olivenöl an, gibt Paprikapulver, Lorbeerblätter, Thymian, Rosmarin und etwas Petersilie hinzu”

- Dann kommen gewürfelte Tomaten, etwas Rinderbrühe und ein Schuss Weißwein dazu.
- Der vorgekochte Pansen wird in dieser Soße nochmals mindestens eine Stunde sanft geschmort.
”Insgesamt beträgt die Kochzeit also etwa 3 bis 4 Stunden, bis er butterzart ist”
- Gewürzt wird mit Salz, Pfeffer und einer Prise Pimentón.
- Bevor sie servierte, deckte ihre Enkelin mir den Tisch mit einer typisch spanischen Tischdecke, stellte eine Flasche Vino Tinto dazu, öffnete sie und schenkte mir ein halbes Glas ein.

- Der Rotwein durfte atmen, damit sich die Aromen entfalten konnten – Frucht, Holz, Sonne.
”Dann kam der tiefe Teller mit reichlich Soße und frischen Kräutern am Rand”
- Dazu ein noch handwarmes Baguette.

- Manche Fahrerinnen verzogen das Gesicht beim Wort Pansen.
- Ich lächelte nur müde.
- Sie wussten nicht, was sie verpassten.
“Hitze, Sehnsucht und verbotene Gedanken”
- Nach dem Essen setzte ich mich wieder an die Theke und beobachtete die hübsche Enkelin bei der Arbeit.
”Sie wusste genau, dass mein Blick immer wieder zu ihr wanderte”
- Ihre langen Beine, langen schwarzen Haaren und dann dieser Po.
Geformt wie eine süße Pfirsich.
”In dieser flirrenden Hitze, zwischen Motorengeräuschen und Stimmengewirr, lag etwas Romantisches und zugleich Stressiges – die Rast war nur ein Atemholen zwischen tausenden Kilometern”
- Es war schade, dass ich verheiratet war und einen kleinen Sohn hatte.
- Sonst – wer weiß.
- Doch meine Gedanken kehrten immer wieder nach Hause zurück.
“Nacht in der Fahrerkabine und Träume vom Süden”
- Später ging ich zurück zu meinem Lkw.
- Es war noch immer tierisch warm.
- Ich kurbelte die Scheibe einen Spalt herunter, gerade so weit, dass niemand hineingreifen konnte.
”In der Nacht träumte ich von Spanien, vom Duft der Küche, vom Lächeln der jungen Frau – und doch war ich in Gedanken bei meiner Familie”
- Am nächsten Morgen würde ich entladen, neu laden, und bald hieß es wieder:
- Düsseldorf, ich komme.
”Und kaum war ich zurück, freute ich mich schon wieder auf die nächste Tour gen Süden”
- Dieses Leben war stressig, schweißtreibend und voller Kilometer – aber es war auch voller Geschichten, Begegnungen und einem Hauch von Romantik, der mich bis heute nicht loslässt.









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Und Jahre später, hat es Dir die Gesundheit gekostet.
Jeder der Dich kennt, merkt wie sehr Du Sehnsucht hast, wieder zufahren und das Heimweh nach Cambrils und das gute Essen.