”Mein BMW 750i/IL und der Beginn einer neuen Zeit”
- Es war Ende 2001, als ich mir endlich einen Traum erfüllte, der viele Jahre still in mir gewachsen war.
- Vor mir stand ein BMW E38 750i/iL, das damalige Topmodell mit dem legendären 5,4-Liter-V12-Motor, intern als M73 bekannt.
- 326 PS, 490 Newtonmeter Drehmoment, Zwölfzylinder-Laufruhe – eine Maschine wie ein Versprechen.
- Und als wäre es Schicksal gewesen, leuchtete dieser Gigant in meiner absoluten Lieblingsfarbe:
- Blau. Tief, würdevoll, souverän.
”Da ich das Fahrzeug lediglich überführte, brauchte es nur ein Kurzzeitkennzeichen – selbstverständlich aus dem Kreis Heinsberg, mit meinen Initialen”

- Es war ein Moment voller Stolz, denn gleichzeitig wagte ich den Schritt in die Selbstständigkeit.
- Neben neuen Kühlfahrzeugen standen auch gebrauchte Zugmaschinen auf dem Hof, Sinnbilder für Aufbruch und Risiko zugleich.
- Und ich wurde auch schon von meinem hübschen Personal erwartet.
“Zwischen Autobahnen und Allianzen – Meine Relation durch Europa”
- Meine Hauptrelation führte durch Deutschland, Frankreich, Spanien und Portugal.
- Italien war jedoch ein Kapitel für sich.
- Kühltransporte dorthin waren Anfang der 2000er Jahre oft mit unvorhersehbaren Hürden verbunden.
- Wirklich reibungslos funktionierte es meist nur, wenn man für militärische Auftraggeber unterwegs war.
”So führte mich mein Weg regelmäßig zur Aviano Air Base, einem US-Luftwaffenstützpunkt in Friaul-Julisch Venetien, der seit den 1950er Jahren strategische Bedeutung besitzt”

- Ebenso häufig war ich bei der Naval Support Activity Naples, dem bedeutenden NATO-Marinestandort in Süditalien, stationiert seit 1951 und logistischer Knotenpunkt im Mittelmeerraum.
Die NATO selbst, 1949 gegründet, bestand 2001 aus 19 Mitgliedsstaaten und war das zentrale Verteidigungsbündnis des Westens.

- Für uns Fahrer bedeutete das:
- Strenge Kontrollen, exakte Zeitfenster, aber auch verlässliche Bezahlung.
“Civitavecchia und das Tor nach Sardinien”
- Bevor es nach Sardinien ging, mussten wir nach Civitavecchia, der großen Hafenstadt etwa 80 Kilometer nordwestlich von Rom in der Region Latium.

- Bereits in der Römerzeit als „Centum Cellae“ gegründet, war der Hafen 2001 einer der wichtigsten Fähr- und Containerhäfen Italiens.
Dort wurden unsere 40-Tonner gewogen und verzollt, bevor es mit der Fähre über das Tyrrhenische Meer nach Olbia ging.
Olbia liegt im Nordosten Sardiniens in der Provinz Sassari, hatte Anfang der 2000er rund 45.000 Einwohner und war wirtschaftliches Herz der Gallura-Region.

- Von Olbia führte eine schmale, kurvenreiche Nationalstraße weiter nach Palau, einem kleinen Fischerort mit knapp 4.000 Einwohnern an der Nordküste Sardiniens.
- Von dort setzte eine kleine Autofähre über zur Insel La Maddalena, Hauptort des gleichnamigen Archipels mit kristallklarem Wasser, durchschnittlichen Sommertemperaturen um die 28 Grad und milden Wintern bei etwa 10 bis 15 Grad.
- Die Insel war seit 1887 Marinestützpunkt und beherbergte zeitweise US-Navy-Einheiten.

- Nach der Papierabgabe im unscheinbaren Hafenbüro hatten wir oft 12 bis 16 Stunden Wartezeit.
”Italienische Zeit bedeutete Gelassenheit”
- Wir schlenderten durch die sauberen Gassen, betrachteten die Yachten im Hafen und gönnten uns in einer Gelateria ein Eis, das in Olbia direkt am Hafen bis heute zu den besten gehört, die ich je gegessen habe.
”Zwischen Flugzeugträgern und Gelato – Isola Santo Stefano”
- Von La Maddalena ging es weiter zur Nachbarinsel Isola Santo Stefano, auf der sich ein militärischer Bereich befand.

”Neben einem gewaltigen Flugzeugträger zu stehen, dessen Name ich nie nennen durfte, war jedes Mal ehrfurchtgebietend”
- Mehr als 300 Meter Stahl, mehrere zehntausend Tonnen Verdrängung – ein schwimmendes Monument moderner Technik.

- Während unsere Ladung im Bauch des Schiffes kontrolliert wurde, warteten wir geduldig, schwitzen in der Sonne im Mittelmeer und träumten von der Heimfahrt.
“Von Neapel nach Messina – Italiens Süden”
- Zurück über Olbia erreichten wir wieder das Festland bei Naples, der drittgrößten Stadt Italiens mit rund einer Million Einwohnern im Stadtgebiet.
- Weiter ging es Richtung Messina, gelegen an der Nordostspitze Siziliens, getrennt vom Festland durch die nur etwa drei Kilometer breite Straße von Messina.
”Die Überfahrt erfolgte per Autofähre ab dem kalabrischen Küstenabschnitt bei Catona”
- Messina selbst zählte 2001 rund 250.000 Einwohner und war ein bedeutender Fähr- und Handelsstandort.

“Mailand, Chiasso und der Brenner – Der Weg zurück”
- Nach dem Süden folgte der Norden.
- In Milan legten wir oft eine Pause ein, bevor es weiter nach Chiasso ging, der südlichsten Gemeinde der Schweiz im Kanton Tessin, direkt an der italienischen Grenze.
- Von dort nutzten wir häufig den kombinierten Verkehr mit Hupac, einem 1967 gegründeten Schweizer Logistikunternehmen für den alpenquerenden Güterverkehr.

- Über den Brenner Pass, mit 1.370 Metern einer der wichtigsten Alpenübergänge Europas, erreichten wir Wörgl in Tirol.
”Wörgl hatte rund 12.000 Einwohner und war ein bedeutender Bahnknotenpunkt”
- Dort liebte ich es, österreichischen Kartoffelsalat zu essen – klassisch mit festkochenden Kartoffeln, Rinderbrühe, Zwiebeln, Weißweinessig, Senf und Kürbiskernöl, lauwarm serviert.
“Die Kilometer der Sehnsucht – Eine gewaltige Route”
- Die gesamte Strecke von Düsseldorf über Wörgl, Brenner, Chiasso, Mailand, Neapel, Olbia, Palau, La Maddalena und wieder zurück summierte sich auf rund 4.800 bis 5.200 Kilometer, abhängig von Routenführung und Wartezeiten.
- Mit einem schwer beladenen 40-Tonnen-Kühlzug und den gesetzlichen Lenkzeiten – 45 Minuten Pause nach spätestens vier Stunden, zehn Stunden Ruhezeit nach acht Stunden Gesamtfahrzeit sowie spätestens nach sechs Einsatztagen eine Wochenruhezeit – dauerte eine solche Tour realistisch acht bis zehn Tage.

- Die schnellste Route von Wörgl nach Düsseldorf führte über die Inntalautobahn A12, weiter über München auf der A8, dann über die A3 Richtung Köln und schließlich die A52 ins Rheinland – rund 750 Kilometer”
”Als ich damals nach dieser Mammuttour wieder zuhause ankam, öffnete sich die Tür und meine Frau stand dort mit unserem vierjährigen Sohn.
- In diesem Moment war jede Fähre, jede Wartezeit und jede Zollkontrolle vergessen. Was blieb, war das Gefühl, angekommen zu sein – nicht nur geografisch, sondern im Leben.










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Ich hatte gerade beim Lesen das Gefühl, dabei gewesen zu sein.
Und das Gefühl der Freiheit über Zeit und Raum.